Am Sonntag hatte @DerWesten via Twitter dazu aufgerufen, in den üblichen 140 Zeichen die Eindrücke zum “Still-Leben” auf der A40 zu schildern. Und was soll ich sagen? Die Jungs und Mädels haben meinen Tweet ausgewählt und in der WAZ vom Dienstag (oder Montag?) abgedruckt. Dankeschön!
Und wie war’s nun, das Still-Leben?
Durchwachsen. Den Anfang verfolgte ich über den Live-Ticker der Ruhr-Nachrichten (Aufbau, Eröffnung, Webcam), im Anschluss habe ich @nerotunes und @videopunk beim Live-Streamen beobachtet. Die Jungs saßen in Bochum an einem der vielen Biertische, hatten aber nach einigen Minuten nicht mehr wirklich viel zu erzählen, außerdem nervte die Musik im Hintergrund, deshalb machte ich mich selbst auf den Weg auf die Autobahn in Höhe DO-Kley. Dort ging’s dann etliche hundert Meter zunächst in Richtung Bochum, danach zurück und etliche Meter in Richtung Dortmund-Zentrum.
Die Städte habe ich ausgelassen, weil ich keine Lust auf das Verkehrschaos hatte, zudem klang es eine ganze Zeitlang so, als wären die Auffahrten gesperrt. In unserer Provinz war aber alles offen.
Etliche Tische waren unbesetzt. Es war aber auch ziemlich warm. Dafür flanierten sehr viele Leute über die Bahn, viele bewaffnet mit Bierdosen, die an den EDEKA-Ständen erstanden werden konnten (neben Wasser, isotonischen Getränken, Chipskram und Butterkeksen). Da war’s erwartungsgemäß ziemlich voll, selbst in der Provinz. Viele Vereine haben sich präsentiert saßen an den Tischen rum. Die Mitglieder/innen unterhielten sich untereinander rege, ein Austausch mit der Umwelt war nicht vorgesehen. Dafür umso mehr bei den vielen Chorälen. Den meisten konnte man nicht entkommen. Das sind die Chöre, die niemals gebucht werden – und seit Sonntag weiß ich, warum das so ist.
Es gab auch Ausnahmen: Einige Kleinstbands verbreiteten nette Rock’n'Roll-Stimmung, einige Jongleurinnen waren unterwegs und viele Leute trugen unfreiwillig zur allgemeinen Unterhaltung bei. Das war denn auch die Klientel, auf die ich mich in meinem Tweet bezogen hatte: Leute, die am verkaufsoffenen Sonntag durch den real latschen, “weil offen is’”. Weites T-Shirt, Leggings, die Handtasche quer über die Brust geworfen, Bierdose in der einen, die Kippe in der anderen Hand, der Mann mit Deutschland-Shirt über der Wampe, kurze Hose, dunkle Socken und Turnschuhe, ebenfalls mit Bier. Herrlich wandelnde Stereotype(n). Denen war es herzlich egal, welche Vereine sich an den Tischen aufhielten, Hauptsache, es gab Grund für’n Bier.
Und sonst?
Für eine erste Veranstaltung ganz in Ordnung. Natürlich Geldverbrennung galore. Immerhin hat’s für 40 Sekunden in der Tagesschau gereicht. Pleitgen sprach gar von einem unschätzbaren Imagegewinn. Hab ich nicht verstanden. Schöner wäre es gewesen, wenn jemand des aufgeblähten Ruhr.2010-Apparates die Vereine bei ihrer Außendarstellung unterstützt hätte. Bratwurst wäre toll gewesen. Ein Eisstand hier und da hätte den Umsatz des Jahres gemacht. Die meisten Leute hatten aber Spaß an diesem Sonntag. Fast so, als wäre verkaufsoffen gewesen.

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