Das Parfüm im UCI Bochum

Komme gerade zurück von einem optisch recht netten cineastischen Genuss. Tom Tykwer hat sich in sehr opulenten Bildern Süskinds “Das Parfüm” angenommen, was ja keine wirkliche Neuigkeit ist. Im ersten Drittel hält er sich auch ziemlich genau an die brillante literarische Vorlage, dann biegt er einige Male ab, um Zugeständnisse an die Dramaturgie zu machen. Filmisch nicht schlecht, finde ich gerade diese Abweichungen recht störend. Tykwer macht nämlich den Fehler, einige zentrale Erzählelemente nur stiefkindlich oder sogar gar nicht zu behandeln.

[Spoiler]: Es wird überhaupt nicht erklärt, welche Absicht hinter Grenouilles Parfümwahn steht, welche Gier ihn treibt, dass er zunächst mit menschlichen Gerüchen experimentiert, die er sich selbst aufträgt, um unauffällig, bemitleidenswert oder abstoßend zu wirken. Es fehlt die äußerst eindrucksvolle Hochzeitsszene, in der sich Grenouille erstmals mit seiner “Menschkomposition” aus Katzenkot, altem Käse und derlei Leckereien unters Volk mischt und als Mensch wahrgenommen wird (schließlich konnte er sich der zuerst getöteten Rothaarigen nur nähern, weil ein Mensch ohne Eigengeruch keinen Platz in der Wahrnehmung seiner Umgebung einnimmt). Nur mit dem Hintergrundwissen des Buches kann man die Konfrontation zwischen Grenouille und Druot verstehen, in der Druot ihn zunächst tadeln will, dann aber eine sehr homoerotische Richtung einschlägt. Und NUR mit Kenntnis des Buches kann man letztlich die Wirkung des “Parfüms” am Ende des Films richtig einordnen.[/Spoiler]

Sei’s drum, der Film ist schon nett anzusehen. Genau wie Grenouille-Darsteller Ben Wishaw, der eine schwierige Rolle umzusetzen hatte. Leider ist ihm das nicht immer glücklich gelungen. Er sieht in vielen Szenen einfach zu gut aus, als dass er “den Zeck Grenouille” in all seiner Hinterhältigkeit und Verschlagenheit rüberbringen könnte. Ich stellte mir da eher einen Bastard vor aus einem gehetzten, paranoiden, jämmerlich dreinblickenden Peter Lorre (etwa wie in “M”) und dem unsympathischen Propellermann Karlsson vom Dach (Mats Wikström).

Was mich allerdings noch mehr fasziniert als die Vorstellung eines propellernden Grenouille, ist die Kaffeetheke im UCI. Neben all den verschiedenen Kaffeesorten und -zubereitungsarten gibt es dort auch “Chocolate Steamer”. Auf die Nachfrage, was das denn Interessantes sei, kassiert meine Freundin ein lapidares “Kakao”. “Wenn der ‘Chocolate Steamer’ einfacher Kakao ist, was ist denn dann der gewöhnliche ‘Steamer’?” – “Milch mit Sirup.” Na ja, warum “Kakao” und “Milch” aufs Schild schreiben, wenn’s auch englische Begriffe dafür gibt, die so furchtbar “hip” sind …?

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