Es ist wieder Eschenzeit

Die Eberesche trägt wieder Früchte, im Volksmund als “Vogelbeeren” bekannt (Mama: “Die darfst du nicht essen, die sind giftig!”). Das weckt ganz heimelige Erinnerungen in mir:
In meiner Kindheit gab es ja noch keine Playstations oder Gameboys (nur solche LCD-Spielchen, die damals noch unverschämt teuer waren – und den allmächtigen C64, der aber ein Kapitel für sich ist), da gab’s Wasserbomben, Steinschleudern (Zwillen) und – Blasrohre.
Man war ein Held, wenn man sein Blasrohr oder “Pusterohr”, wie wir manchmal auch gesagt haben, im Baumarkt hat aus Sanitärzubehör hat schneiden lassen. Dann konnte man nämlich genau sagen, wie lang das Rohr sein sollte, und man konnte sicher sein, dass das Rohr nicht verbogen war, denn das ist der Supergau für Blasakrobaten.

Der große Vorteil der Eschenzeit ist nun die ständige Verfügbarkeit von Munition. Während sich die Kiddies von heute in ihren Zimmern Counter-Strike-Duelle via Internet liefern und sich per LAN mit Pistolen und Bomben gegenseitig killen, waren wir früher hautnah dabei: Wir haben uns Barrieren gebaut, hinter denen wir uns verschanzen konnten, freilich in Reichweite der Gegner, denn sonst hätt’s ja keinen Sinn gemacht. Und dann ging’s um die Wurst. Die Eschen wurden geplündert (wir waren mit unseren Duellen (gibt es auch Trielle?) besser als jeder Vogel in der Verbreitung der Eschensamen hätte sein können), und nur der hatte einen Vorteil, dessen Mutter die Dringlichkeit eines Sieges erkannt und ihrem Spross zusätzliche “Muni” in Gestalt von Trockenerbsen aus dem Supermarkt mitgebracht hatte.
Zur Abkühlung (der August war damals oft verdammt heiß) gab’s dann Wasserbomben, die man, zuvor am Stammkiosk für 50 Pfennige erstanden, schnell und möglichst unauffällig mit dem Gartenschlauch hinterm Haus gefüllt hatte. Und wenn man sich geschickt anstellte, platzte die Bombe wirklich auch erst da, wo sie’s sollte.

Hmm, vielleicht sollte ich nachher mal zum Baumarkt pilgern …?

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