Eins vorweg: Ich hatte Samstag nur maximal ein Auge für den Gottschalk-Talk, weil ich den ganzen Abend an meinem neuen schwedischen Schreibtisch schrauben musste.
Die Wetten waren äußerst fade. Dosenstapeln ist wie Bierkistenstapeln, nur in kleiner. Und der Unterschied zwischen Mitschüler-an-den-Ohren-erkennen und Automodelle-am-Klopfen- unterscheiden ist nicht wirklich groß. Vom Prinzip her. Die Kartenwette allerdings war recht nett, leider wurde sie verloren.
Ich weiß noch, wie meine Freunde und ich damals, ’82, mit Fußballbildern “gepinscht” haben. Da gab es zwei Varianten: Bei der ersten musste man sein Fußballbild so weit wie möglich werfen (“pinschen”)(wenn man gegen eine Wand warf übertraf die aufrecht an der Wand stehende Karte (der “Steher”) jede andere, außer, man konnte mit seinem Nachwurf sein Bild direkt auf die stehende Karte werfen (“Doppelsteher”)).
Variante zwei hieß “Auflage”: Ziel des Spiels war es, die eigene Karte auf der des Gegenspielers landen zu lassen. Da dies selten beim ersten Wurf gelang, wurde es mit jedem Fußballbild spannender, zumal der “Aufleger” alle Bilder der Runde einstreichen konnte.
Wappen flogen besonders gut und wurden beim Tausch mit mindestens zwei (Bielefeld) und höchstens zehn (Bayern, aber auch nur selten) Spielerkarten aufgewogen. Wenn man aber vor einem Pinschduell ordentlich Bielefeld-Wappen gesammelt hatte, konnte man beruhigt zusehen, wie Rummenigge, Fischer, Rüssmann und Breitner gen Wand trudelten. Mit den Wappen konnte man einfach besser zielen.
Nun ja, der werte Wetter hatte ja nur Spielkarten und keine Wappen. Kein Wunder also, dass er den Basketballkorb nicht oft genug getroffen hat.
Blöd waren jedenfalls wieder Gottschalks Wetteinsätze: ‘nen Schweinestall auszumisten machte da noch am meisten Sinn. Die Nachthemdnummer von Blacky Fuchsberger und Brisco Schneider war überflüssig, ebenso Herr Kabelgehilfe von Donnersmarck.
Positive Überraschung des Abends war für mich aber Lionel Richie: Absolut locker, gut drauf, Tickets im Gepäck, da kann sich mancher eine Scheibe von abschneiden. Grandios und huldigungswürdig war auf jeden Fall seine Heliumnummer. Anfangs noch etwas schüchtern fand er die Inhalation nach dem ersten Zug richtig spaßig – und klang trotzdem unverwechselbar. Hut ab!
Und was haben wir noch gelernt: Gold und Schwert machen Männer nicht hübsch.
06/03/2007 at 00:10 Permalink
Mangels Alternativen (die Konkurrenz traut sich ja nicht, mal mit interessanten Sendungen gegen Gottschalk anzutreten) habe ich es mir auch mal wieder angesehen. Leider war’s dann in meinem Urteil auch prompt die schwächste Ausgabe seit langem, wenn nicht überhaupt.
Wetten: Mehr Abklatsch ging nicht. Die Kinderwette war die dritte Variante der „Schüler erkennt Mitschüler(innen) an irgendwelchen Körperteilen“-Wette. Nach Zunge und Füßen waren diesmal die Ohren dran.
Dann ein weiterer Klassiker: Die „Automodelle-an-irgendetwas-erkenn-Wette“. Auch das gab’s ja schon mehrfach, diesmal war es das statt dem Türgeräusch das Klopfgeräusch. Zu allem Überfluss hat’s dann nicht geklappt.
Weiterhin: Bierdosen (statt Bierkisten) stapeln, diesmal ohne Gabelstapler. Stahl am Funkenflug erkennen, auch nicht besonders originell. Fußballbilder in Basketballkorb schnippen, na ja. Hat auch alles nicht funktioniert.
Dann Gottschalk: Zieht sich schrill an, setzt sich ins Fettnäpfchen („Hartz-4-Stelzen“) und erzählt (bei der Kinderwette), wie erwachsen 14jährige heutzutage aussehen. Die Déjà-vus nehmen kein Ende.
Die Showacts waren nicht so bombastisch wie sonst. Keine Madonna, kein Robbie Williams, kein Puff Daddy. Immerhin: Grönemeyer und Lionel Richie. Letzter war tatsächlich ganz witzig. Wo er schon nicht mehr zur ersten Liga der Musikwelt gehört, hat er doch zumindest seine Entertainer-Qualitäten unter Beweis gestellt. Auch Rolando Villazón konnte bisweilen durchaus unterhalten.
Und trotz allen Kritikpunkten kam die Sendung mal wieder auf 42% Marktanteil. Ob’s vielleicht ein kleines bißchen daran liegt, daß die anderen Sender zur gleichen Zeit immer nur Schund bringen?