Zu einer Massendemonstration fundamentalistischer Führergläubigkeit versammelten sich am letzten Wochenende etwa 50.000 Zeugen Jehovas im Dortmunder Signal Iduna- Westfalenstadion. Unter dem Motto “Befreiung greifbar nahe” unterwarfen sich die mehrsprachigen Anwesenden der “Speise zur rechten Zeit”, die ihnen vom “treuen und verständigen Sklaven” vorgesetzt wurde.
Um sich ein Bild von dieser massenpsychotischen Veranstaltung machen zu können, muss man sich den Tagesablauf einer durchschnittlichen Zeugen-Familie an einem solchen Tag vorstellen:
7.00 Uhr: Die Mutter steht auf, bereitet das Frühstück vor, weckt dann zunächst liebevoll ihren Ehemann, dann die Kinder und schlussendlich die Großmutter, die selbstverständlich im Hause der glücklichen Familie wohnt.
8.00 Uhr: Endlich kann die Mutter ins Bad.
8.30 Uhr: Alle müssen nun angezogen sein. Alle männlichen Zeugen tragen, gemäß Vorschrift Empfehlung ein Hemd samt Krawatte. Die (Groß-)Mutter trägt auf jeden Fall einen Rock, wahrscheinlich mit Bluse unter einer einer am Vortag neu gestylten Frisur.
8.45 Uhr: Abfahrt in Richtung Fußballstadion Versammlungsstätte.
9.15 Uhr: Begrüßung der Bekannten und Besetzen der Plätze. Dies geschieht vornehmlich durch das Auflegen der Gesangsbücher (“Liederbücher”) auf die zu besetzenden Areale.
9.30 Uhr: Beginn der Non-Stop-Huldigung der Organisation der Zeugen Jehovas, Gottes, der Organisation, der Organisation, Gottes, der Organisation und der Organisation. Eingeleitet wird die Indoktrination durch das immer gleiche Ritual: Begrüßung der Menge durch den Eröffnungsredner, ein Lied wird gesungen, um eine Art Massengleichschaltung zu erzwingen, darauf folgt das Gebet. Alle Leute stehen, falten die Hände, senken die Köpfe, auch die Kinder. Mucken Kinder auf, werden sie harsch zurechtgewiesen beruhigt.
ca. 12.00 Uhr: Nach gefühlten dreißig Stunden Lobpreisungen endlich Mittagspause. Dieses Mal fällt sie allerdings recht mager aus, da die geistige Führung den Verzicht auf das Mitbringen jeglicher Kühltaschen vorgeschrieben empfohlen hat. Wegen Platzmangels.
ca. 13.00 Uhr: Weiter geht’s wie am Vormittag. Singen, Beten, Notizen machen, Kinder beruhigen. Höhepunkt irgendwann ist dann die Taufveranstaltung. Es ist zwar nicht gerade Johannes der Täufer anwesend, dafür werden aber extra Schwimmbecken ins Stadionrund geschoben, damit sich niemand dieser “Hingabe”-Veranstaltung entziehen kann.
Gegen 18.30 Uhr ist dann endlich Schluss. An zwei weiteren Tagen geht’s im selben Stil weiter. Auf Kinder wird keine sonderliche Rücksicht genommen, abgesehen vom eingerichteten “Kinderwagen-Parkplatz” auf der Lauf-Bahn, damit die Fluchtwege frei bleiben – und die Kinder sich schon früh an das ruhige Sitzen während der Veranstaltungen gewöhnen können.
Und diese Sekte genießt seit einigen Monaten die Privilegien einer Körperschaft des öffentlichen Rechts! Demnächst gibt’s dann auch Scientology-Unterricht in den Volkshochschulen.
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