Lehrermangel

Alles jammert über zu wenig Lehrer an unseren Schulen. Über Unterrichtsausfall. Über eine zu geringe Motivation der Lehrer, auch am Nachmittag – sozusagen außerplanmäßig – der Schule, den Schülern und den Eltern zur Verfügung zu stehen.
Nun, der Unterricht beginnt für Lehrer etwa gegen 8 Uhr am Morgen, um gegen 14 Uhr zu enden. “Sind ja nur sechs Stunden”, brüllen da mit Sicherheit die ersten Hirnlosen ins Mikrofon.
Üben wir uns im Addieren (jew. Durchschnittswerte):
Nachbereiten des Unterrichts (Noten schreiben, Tests und Klassenarbeiten korrigieren, Eintragen der Schülernoten in die Halbjahresübersicht):
1 Stunde
Vorbereiten des Unterrichts (Arbeitsblätter erstellen, Stunde minutengenau planen, Materialien organisieren):
1,5 Stunden
Am Unterrichtstag (Arbeitsblätter kopieren, Klassenraum vorbereiten (Tische gerade rücken, Schwamm und Kreide suchen), Schüler einsammeln):
0,5 Stunden
Ups, das sind ja plötzlich drei Stunden zusätzlich, macht also neun. Und, da kann man sicher sein, oftmals sind es mehr als nur drei Stunden, die Unterrichtsnach- und Vorbereitung in Anspruch nehmen. Unterrichtet wird fünf Tage pro Woche, macht also 45 Stunden Arbeit. Und da regen sich die Leute über vermeintlich faule Lehrer auf? Lehramtsanwärter (gemeinhin: Referendare) erhalten für diesen Dienst an der Gesellschaft gerade mal 900 Euro netto! Und dann kommt eine Frau Sommer daher, im Anhang lauter Deutschland-geht-es-ja-so-schlecht-Jammerer, die mit Sicherheit seit Jahrzehnten dem Schulbesuch und -dienst entwöhnt sind, und faselt grenzdebil von außerschulischen Tätigkeiten, zu denen sich Lehrer doch bitte verpflichtet fühlen sollen.
Natürlich, wird gerne gemacht! Elternsprechtage werden auf den Nachmittag verlegt. Denn dann sind die Eltern erziehungsschwieriger Schüler auch endlich aufgestanden. Klassenfahrten finden in Zukunft in den Schulferien statt. Denn dann entlastet man nicht nur die Eltern, indem man ihnen ihr Gewölle abnimmt, sondern nutzt endlich auch die lehrfreie Zeit, um ausgefallene Stunden nachzuholen. (Nebenbei sollten natürlich auch die pubertierenden Jugendlichen in ihren Trieben und Bedürfnissen gehemmt, Entschuldigung, beraten werden.)
Liebe Frau Sommer, Sie gehen tapfer geradeaus, während die Realität schon seit Schuljahren abgebogen ist.

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